Konzertfotografie: Blitz bei Konzerten

Lavotchkin

1/5 Sek., f / 4.5, ISO 400, 16 mm

Der Einsatz des Blitzgerätes ist bei den meisten Konzertfotografen verpönt. Ich halte die Verwendung des Blitzes auf Konzerten aber nicht generell für eine schlechte Idee. Wenn es die Lichtverhältnisse erlauben, ist es natürlich besser, den Blitz in der Tasche zu lassen und die Stimmung ohne diesen einzufangen. Vor allem bei kleinen Konzerten ist es jedoch oft sehr dunkel und die Verwendung des Blitzes meistens nicht untersagt und somit spricht auch nichts dagegen diesen einzusetzen. Natürlich kann man die Stimmung „tot blitzen“, aber man kann den Blitz auch sinnvoll und mit Bedacht einsetzen. In diesem Artikel möchte ich drei Methoden mit jeweils einem Beispiel dazu zeigen.

1/6 Sek., f / 5.0, ISO 400, 17 mm

Am einfachsten und am meisten angewendet wird das Einfangen der Energie und Stimmung eines Konzertes mit Blitz mit der Langzeitsynchronisation. Das funktioniert besonders bei Bands die auf der Bühne sehr aktiv und viel in Bewegung sind sehr gut. Durch eine längere Verschlusszeit kann man diese Dynamik gut festhalten, weil das Umgebungslicht eingefangen und durch den Blitz die Bewegung des Motivs „eingefroren“ und scharf abgebildet wird. Die genauen Einstellungen hängen vom vorhandenen Licht und vom gewünschten Effekt ab. Sogar Belichtungszeiten im Bereich von zirka einer Sekunde sind möglich. Die Einstellungen, die am besten funktionieren, muss man vor Ort durch Ausprobieren herausfinden. Ich persönlich verwende meistens eine Belichtungszeit von 1/20 Sekunde bis 0.4 Sekunden, eine Blende zwischen 4.5 und 8 und ISO 200 bis ISO 400. Die Kamera bediene ich dabei im manuellen Modus, während der Blitz im Automatikmodus arbeitet und somit über das Blitzlicht die korrekte Belichtung erreicht wird. Das Beispielfoto hierzu zeigt The Dillinger Escape Plan bei einem Auftritt in einem relativ kleinen Club. Die Band ist berüchtigt für ihre intensiven Shows und vor allem der hier abgebildete Gitarrist ist ständig in Bewegung. Bei dem Foto ist der Grad der Dynamik bereits hart an der Grenze. In diesem Fall hätte die Belichtungszeit auch ein wenig kürzer ausfallen können oder ich hätte die Blende noch etwas schließen können, wodurch das Umgebungslicht weniger und der Blitz stärker zur Geltung gekommen wäre.

UK Subs

1/125 Sek., f / 3.2, ISO 1600, 17 mm

Eine weitere Möglichkeit die ich gerne einsetze ist, den Blitz nur zum dezenten Aufhellen zu verwenden und so viel Umgebungslicht wie möglich einzufangen. Ich wende diese Methode vor allem bei Konzerten an, bei denen die Bühnenbeleuchtung gerade noch hell genug ist, um ohne Blitzgerät akzeptable Fotos zu erreichen oder wenn die Beleuchtung nicht ganz ausreichend dazu ist. Den ISO-Wert an der Kamera stelle ich meist etwas niedriger ein, als wenn das Foto ohne Blitz gemacht werden würde. Um das Bild nun genügend aufzuhellen betreibe ich das Blitzgerät im manuellen Modus mit einer niedrigen Blitzlichtstärke. Meistens richte ich den Blitz außerdem nicht direkt auf das Motiv aus, sondern verwende einen Diffusor und blitze senkrecht nach oben. Durch den Diffusor wird noch immer genügend, aber eben nicht das ganze Blitzlicht auf das eigentliche Motiv geleitet. Der Einsatz des Blitzes hat hierbei zusätzlich die Vorteile, dass beim oft anzutreffenden Gegenlicht das Motiv auch von vorne etwas beleuchtet wird und ebenso werden die meistens unbeleuchteten Ecken der Bühnen aufgehellt. Das Beispielfoto zeigt die Punkband UK Subs, wobei ein ISO-Wert von 1600 zu niedrig gewesen wäre, um das Bild ohne Blitz korrekt zu belichten. Durch den indirekten Einsatz des Blitzes konnte ich den ISO-Wert etwas reduzieren, die Blende noch ein wenig schließen, das Umgebungslicht einfangen und die dunklen Bereiche vor allem im Bereich des Gitarristen links aufhellen.

I Am Heresy

1/80 Sek., f / 4.0, ISO 640, 40 mm

Gelegentlich blitze ich auch entfesselt, wobei der Blitz räumlich von der Kamera getrennt ist. Dadurch wird das Motiv nicht frontal beleuchtet und es entsteht eine plastischere Wirkung. Ein offensichtlicher aber nicht zu vernachlässigender Nachteil hierbei ist, dass man die Kamera in einer und den Blitz in der anderen Hand halten muss. Dadurch fallen Einstellungen an der Kamera und insbesondere die Bedienung eines Zoomobjektivs schwer, was vor allem bei der hektischen Konzertfotografie zum Problem werden kann. Des Weiteren erfordern gute Ergebnisse etwas Zeit, bis man die richtigen Einstellungen für die jeweiligen Umgebungsbedingungen gefunden hat. Das Beispielfoto zeigt die Band I Am Heresy bei einem Auftritt in einer sehr kleinen Location mit miserabler Beleuchtung. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, einen Teil der Zeit entfesselt zu blitzen, um so für mehr Abwechslung bei den Fotos zu sorgen. Den Blitz habe ich dabei in der linken Hand gehalten, um das Motiv von der Seite und nicht frontal zu beleuchten.